Lämmels Syndrom

Beim Berliner Verlag Periplaneta erschien im März 2017 ein gemeinsamer Roman von Pit Pikus und mir: “Lämmels Sydrom oder Die fünf Dimensionen der Wahrheit”, Die Geschichte des Buches ist (auch) eine ironische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Wahrheit und den Schwierigkeiten, ihren Inhalt auszumachen.

Das Buch erzählt die Geschichte des Dr. Lämmel, der Haushaltsartikel im Direktvertrieb vertickt und früher einmal ein anderes Leben hatte. Als die Wahrheit noch eine andere Wahrheit war, da war auch Lämmel ein anderer Lämmel, mischte sich ein für eine lichte Zukunft in den Revolutionen der dritten Welt für einen Globus ohne Ausbeutung, Elend und Krieg.

Heute aber ist wahr, was den Umsatz steigert und dies bliebe wohl auch immer die einzige Wahrheit, klar und einfach, würde sich nicht Lämmels Leben plötzlich und heftig verändern. Eines Tages entdeckt er die höchst ungewöhnliche Fähigkeit an sich, durch Dinge hindurchzusehen und wenig später erhält er einen bedrohlichen Anruf. Dom Alfonso, ein seltsames unwahres Wesen meldet sich über das Haustelefon, lebt seit Längerem schon verborgen hinter der Fußbodenleiste der Küche und ernährt sich von den Krümeln, die von der Brotmaschine hinter einen Ritz im Küchenschrank fallen. Lämmel hatte beim Krümmeln zuletzt sehr gegeizt. Dom Alfonso ist hungrig. Lämmel will ihn loswerden. Der Dom will essen und bleiben. Nach einem heftigen Schlagabtausch entschließen sich die gebeutelten Kontrahenten zu einem Deal. Lämmel soll Dom Alfonso Geschichten erzählen – aus seinem früheren Leben. Dom Alfonso muss raten, ob die Geschichten wahr oder unwahr sind. Liegt er einmal falsch, muss er gehen. Liegt immer richtig, wird er für immer bleiben.

Doch als Lämmel von der Vergangenheit zu erzählen beginnt, verbiegen sich zunehmend die Haltelinien der Realität in der Gegenwart. Nichts bleibt, wie es war und alles wird möglich. Mehr wird hier nicht verraten. Kauft euch das Buch.

Unser Lämmel-Roman entstand ungeplant und zunächst ohne Intention, ihn überhaupt zu veröffentlichen. Er sollte einfach ein Geschenk sein für Charlotte, einen uns beiden sehr nahe stehenden Menschen. Wir schrieben das Buch auf der Basis eines steinalten Fragments von Pikus aus den 90ern in kurzer Zeit, mal getrennt, mal zusammen, und wie im Wahn herunter. Manchmal schien es dabei, als würden wir die Geschichte gar nicht erfinden, sondern eher beim Schreiben etwas entdecken oder freilegen, was auch ohne unser Zutun bereits existierte. Es kostete dann noch einige kurze Nächte und viel Rotwein im Winter 2016/17, um die Geschichte gemeinsam zu beenden, wobei der Rotwein vor allem auf Lämmels äußerst schlechten Einfluss auf uns beide zurückzuführen ist. Aber plötzlich waren wir fertig. Und dann haben wir irgendwie nicht aufhören können, haben ein Exposé verfasst und mit ein paar Auszügen an ungefähr zwanzig Verlage geschickt. Einige, zuletzt der Eulenspiegelverlag, antworteten uns erst zwei Monate später und wollten das Manuskript haben. Aber ein Verlag wollte es sofort.

Das war Periplaneta, Berlin. Wieder fühlten sich die Dinge an, wie beim Schreiben, als sei alles längst beschlossen und beschrieben und entfalte sich eben nur noch. Das sensible Lektorat von Mascha Tobe verlief in derselben wahnhaften, aber sicheren Geschwindigkeit, die wir beim Verfassen des Romans verspürt haben. In weniger als sechzig Tagen gingen wir mit dem Verlag zusammen durch den gesamten verlegerischen Entstehungsprozess bis zur Veröffentlichung. Und das Cover von Marion Alexa Müller ist der Hammer.

Am 18. März ist die Premierelesung im Literaturcafé des Periplaneta.

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